Dr. Matthias Brück, Landau

 

"Wechselwirkung"

Malerei und Zeichnung von Veronika Olma

Einführung von Dr. Matthias Brück

Hinter dem harmlos erscheinenden Begriff "Wechselwirkung", der diese Ausstellung von Veronika Olma charakterisieren soll, steht eine Fülle von physikalischen Geheimnissen wie "Starke Kraft", "elektromagnetische Kraft", "Schwache Kraft" oder "Gravitationskräfte" wie atomare oder molekulare Strukturen.

Fürchten Sie sich nicht, jetzt droht Ihnen keine Vorlesung über Heisenbergs Quanten- oder Unschärfetheorie, eher mag man sich an Immanuel Kant erinnern, der Wechselwirkung als eine Kategorie der Relation begreift, die die Dinge und Vorgänge zur Einheit der Sinnenwelt bringt. Das heißt, diese Künstlerin übersetzt diese theoretischen Vorgaben gewissermaßen in unser lebendiges Dasein, interpretiert das vermeintlich Beziehungslose als Teile, die zu einem vorgestellten Ganzen gehören könnten. Teile, die auf sich einwirken, ohne dass ihr Bezug offenkundig geworden ist. Das klingt nun alles ein wenig spröde - ist es auch - aber in den Exponaten von Veronika Olma wird dies zu einem energetischen, vitalen Prozess, zu einer fantasievollen Metaphysik.

Da versteht sich das "Schwarze Loch" mit der grafisch dezent angedeuteten Raumzeitkrümmung nicht als drohendes Unbekanntes à la "Stargate" oder "Andromenda", vielmehr begreifen es drei Kinder neugierig, vorsichtig fast als möglichen Abenteuer-Spielplatz. Auch eine Form kosmischer Harmonie.
Oder vielleicht doch nicht? Schaut nicht der kleine Junge etwas skeptisch, weil im Hintergrund per Molekülmodell seine Herkunft in wissenschaftlicher Kühle diagnostiziert zu werden scheint? Und was steckt hinter der ironischen Evolutionstheorie (Vergiss, dass Du ein Wolf warst.)? Kreationisten jedenfalls würden dieses Bild wohl eher zerreißen. Eine unbeabsichtigte "Wechselwirkung". Da hätte es die elegante "Kuh" als Hommage an Heinrich von Zügel gewiss leichter. Denn denkt man hier in der Region an Zügel, denkt man an Kuh. Umgekehrt ist das nicht ganz so sicher.

Nun, Scherz beiseite, man sollte sich nicht täuschen: denn wer sich mit den Exponaten dieser Künstlerin ernsthaft auseinandersetzt, der trifft eben nicht auf Vorgefertigtes, auf vermeintlich gesicherte Antworten, vielmehr auf einen offenen Horizont des Fragens, auf ein möglicherweise listiges Sowohl-als-auch.

Vergleichbar mit Karl Jaspers' Philosophie des Schwebens, ein Denken, das sich nicht in dogmatischer Enge verlieren will, sucht Veronika Olma zwar nach verlässlichen Konstanten in unserer Wirklichkeit, scheint sie aber zumeist in einem Prozess von Werden und Vergehen aufgehen zu lassen. Auch beim kompositionellen Aufbau, beim Einsatz von Acryl und Zeichnung, dominiert ein Spiel, in dem eine fast gestisch anmutende Malerei mit feinsten Pinselstrichen korrespondiert. Abstrakte Elemente treffen auf realistische Darstellungen, feine Details positionieren sich in einem weiten, unergründlichen Raum.

Aus dieser farb-pulsierenden Unbegrenztheit entwickelt Veronika Olma häufig ihre "Universumsmodelle", die elegant und gänzlich frei von theoretischer Physik, ihre eigenen, kosmischen Entwürfe umsetzen. Entwürfe, die nicht nur in einem anonymen Weltraum angesiedelt sind, vielmehr auf einen "Seelen-Innenraum" verweisen könnten. Doch der bleibt ebenso chiffriert wie sein "kosmischer Bruder".

Nicht umsonst zitiert Veronika Olma in ihrem Katalog Douglas Adams:

"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer
herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da
ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch ein
noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.
Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert
ist."

Deshalb frönt diese Künstlerin noch lange nicht einem bequemen Agnostizismus. Vielmehr scheint sie es direkt-indirekt mit dem alten Sokrates zu halten:

"Mein lieber Freund, was ist das eigentlich, von dem Du sagst, dass es das ist"?

Nun, ich denke, sie weiß es ebenso wenig sicher wie Sie und ich. Aber sie hört nicht auf, zu fragen, zu suchen und sich in ihren Arbeiten immer wieder dem Unbekannten zu näheren, es auszuloten. So werden Frage und Wagnis stets zu bedeutungskonstituierenden Momenten ihres Schaffens. Wenn Sie heute nun eines dieser Kunstwerke erwerben, dann freuen Sie sich - und die Künstlerin freut sich ebenso. Auch das ist eine Form praktischer Wechselwirkung!