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Dr. Matthias Brück,
Landau
Wenn der Hirsch springt, der Prinz durch einen Geisterwald
reitet oder ein Radfahrer durch den Mikrokosmos radelt, dann ist
die Welt nicht aus den Fugen geraten, sondern auf der Suche nach
sich selbst. –
Wenn Organisches, Zeugen von Flora und Fauna wie Indizien des
Menschlichen sich scheinbar beziehungslos im Raum bewegen, dann
hat Veronika Olma sich die ewige Frage gestellt, „was unsere
Welt im Innersten zusammenhält“…
Eigentlich eine existentielle Frage ohne Haltbarkeitsdatum, die
sich allerdings immer weniger Menschen zu stellen scheinen, da
es neben dem wachsenden Desinteresse, immer mehr Placebos in
Form von faulen Kompromissen, falschen Synthesen oder bewusst in
Kauf genommen Täuschungen gibt, die anstandslos akzeptiert
werden…
Und schon steckt man in dem alten Dilemma, ob man Kant zustimmt
(das Bewusstsein bestimmt das Sein) oder ob man lieber Marx
folgen möchte, der das Sein für unser Bewusstsein verantwortlich
machen wollte…
Jetzt scheint die Verwirrung komplett. Denn wer sich mit den
Exponaten dieser Künstlerin ernsthaft auseinandersetzt, der
trifft eben nicht auf Vorgefertigtes, auf sichere Antworten,
vielmehr auf einen offenen Horizont des Fragens, auf ein
unbequemes Sowohl-als-auch…
Fast spielerisch werden tatsächliche oder vermeintliche
Gegensätze auf die Leinwand gebracht, haben längst den Charakter
der Addition verloren – und dennoch mögen sie auf irgendeine
Weise zusammenhängen…
Diese Überlegungen führen bei Veronika Olma eben zu einer Suche
nach Beziehungen, Verknüpfungen, die sich bisweilen auch auf
einem „ironischen Hintergrund“ ereignen können. Denn vielleicht
verstärken ja die Bundeswehr-Tarnstoffe listig das Verborgene
kaum Wahrnehmbare, dem diese Künstlerin stets auf der Spur
bleiben will? –
Eine grobe, fast gestisch anmutende Malerei korrespondiert mit
feinen Pinselzeichnungen – lässt sie als mögliche Gegensätze
erscheinen, abstrakte Elemente treffen auf realistische
Darstellungen – und doch mögen beide Disziplinen einem
übergeordneten Umgreifenden verpflichtet sein…
Dabei kommt es gewiss auch zu überraschenden, evolutionären
Begegnungen – wie zwischen Hirsch und Hirschkäfer - die sich nur
jemand einfallen lässt, dessen Phantasie in der Tat keine
Grenzen kennt, der sich radikal und charmant zugleich mit der
Wirklichkeit auseinandersetzt…
Häufig erscheinen die jeweiligen Szenen auf bewegten, fast
sphärisch zu nennenden Hintergründen, so, als wären die
möglichen Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, zwischen
Mensch und Tier, zwischen Mensch und Ding regelrecht in der
Schwebe…
Was bedeutet nun ein Eingriff in dieses Geflecht der bewussten
oder unbewussten Beziehungen? Welchen Gesetzen folgt eine
Entwicklung, die wir zu kennen glauben, aber möglicherweise auch
nur glauben, weil Religion und Wissenschaft – je nach Geschmack
– sie uns serviert haben? –
Gibt es überhaupt verlässliche Konstanten in unserer Realität
oder sind sie einem ständigen Werden und Vergehen unterworfen
wie es manche Bilder dieser Künstlerin anzudeuten scheinen?
Denn immer wenn Figuren oder Objekte aus dem amorphen
Hintergrund auftauchen, mögen sie zugleich wieder im
Verschwinden begriffen sein. Ein Universum voller
Single-Existenzen oder ein Gefüge geheimnisvoller Ordnungen, in
die jeder eingebunden ist – ob es ihm gefällt oder nicht?
Wenn Veronika Olma ihre „Universumsmodelle“ vorstellt – seien
sie naturwissenschaftlich oder philosophisch akzentuiert – dann
handelt es sich stets um dogmenfreie Entwürfe, die sich nicht
umsonst an der zeitlosen sokratischen Provokation orientieren:
„Mein lieber Freund, was ist das eigentlich, von dem Du sagst,
dass es das ist?“
Nun, ich denke, diese Künstlerin weiß es eben so wenig, aber sie
hört eben nicht auf zu fragen, zu suchen und sich in ihren
Arbeiten immer wieder dem Unbekannten zu nähern, es auszuloten…
Wagnis und Frage werden so zu bedeutungskonstituierenden
Momenten ihres Schaffens…
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